Fotografieren bei Kälte
Es ist der 16. Dezember, draußen liegt Schnee und es ist verdammt kalt. Schön wenn man im Wohnzimmer nen Kamin stehen hat, mit dem warmen Auto dahin kann, wo man eben hin muss und auf dem Weihnachtsmarkt in aller Ruhe mit den Freunden oder Kollegen Glühwein trinken kann. Im Internet findet man um die Zeit dann auch immer öfters wunderschöne Bilder von den weiß gepuderten Schneelandschaften, nur müssen auch diese Bilder mal entstanden sein. Und da ist dann das “Problem” – die Kälte.
Bisher las man von den Problemen meist nur von Expeditionslustigen, oder Urlaubern mit dem Ziel Alpen, inzwischen sollte es aber auch ein Problem in ganz Deutschland sein. Die Temperaturen sind tagtäglich unter dem Gefrierpunkt was der Kamera und dem Menschen ganz schön bei setzt.
Um mal beim größeren und eher weniger abzusehenden Problem zu beginnen – dem Menschen. Bei dem Wetter ist es schon eine Leistung sich überhaupt nach draußen zu trauen. Um dann nach 10 Minuten Spaziergang die Kamera auch noch bedienen zu können, bedarf es viel Fingerspitzengefühl, was bei abgefrorenen Händen und je nach Modell ziemlich schwer werden kann. Das heißt vor allem eins: Man braucht gute Handschuhe! Und zwar welche, die warm halten und schnell aus zu ziehen sind, denn wer möchte schon sein Motiv verpassen, weil er seine Handschuhe nicht schnell genug aus gezogen bekommen hat.
Warme Schuhe sind ein anderes Kriterium. Was im Sommer möglichst luftig, dennoch fest sein sollte, muss im Winter warm sein! Man stelle sich vor es gibt ein leichtes Gefälle und da man ein Foto machen möchte, kann man sich nirgends fest halten. Die Schuhe sind zwar fest, aber wirkliches Gefühl hat man nicht drin, weil die Füße abgefroren sind. Also, warme Schuhe anziehen!
Genau so wichtig wie die Handschuhe ist sicherlich eine warme Jacke. Wenn man in der Wärme aufpassen muss nicht zu verwackeln und bei kritischen Bildern bangt, dass ja nichts verwackelt ist, gibt’s bei den Minusgraden im Wald noch größere Probleme, denn durch die Kälte frieren wir vielleicht und zittern mehr, weshalb die Verschlusszeit verringert werden muss und das nochmal ein Verlust von ~1 Blende heißt. Eine warme Jacke ist also unerlässlich.
Ist der Störfaktor Mensch minimiert, kann man sich endlich mit dem Technischen befassen. Unsere Kameras haben heutzutage ziemlich viel Technik unter dem Gehäuse und diese Mini-Computer sind, wie die Computer unterm Schreibtisch auch, wasserempfindlich. Zwar kann jetzt jeder Besitzer einer etas hochwertigeren Kamera sagen, dass sein Gehäuse ja spritzwassergeschützt sei, nutzen tut ihm das jedoch nichts. Der Grund dazu ist ziemlich einfach. Geht man in die Kälte und die Luft kühlt die Gehäuseteile runter, sodass beim Wechsel von Kalt in Warm, die warme, feuchte Luft sofort die Feuchtigkeit an den Teilen kondensiert. Den Effekt kennt man von der gerade aus dem Kühlschrank geholten Wasserflasche im Sommer. Das passiert nicht nur auf dem Kameragehäuse, sondern auch in der Kamera, und da wird’s dann gefährlich. Direkte Folgen könnten Kurzschlüsse sein, oder im späteren Verlauf, gerade dann wenn man denkt, es sei nichts geschehen, geht die Kamera nicht mehr an weil manche Kontakte oxidiert sind. Dagegen hilft nur die Kamera in eine luftdichte Tüte noch in der Kälte zu hüllen, denn draußen ist die Luft meistens trocken und das Wasser kondensiert höchstens an der Tüte und nicht an/in der Kamera.
Der Akku hatte schon ein paar Aufnahmen seit der letzten Ladung runter, aber die Anzeige der Kamera zeigt noch die hälfte des Akkus an, sollte also für ein paar Schnappschüsse reichen. Nach dem Spaziergang findet man dann doch endlich mal ein Motiv welches man fotografieren möchte, macht ein Foto, guckt auf den Bildschirm, sieht, dass das Resultat nicht das gewünschte ist und probiert es noch einmal, doch plötzlich ist kein Saft mehr da – der Akku ist leer. Wie geht denn das? Fünf Bilder zuvor war er doch noch voll? – Die Kälte hat Auswirkung (welche genau möchte ich hier eher nicht mehr schreiben) auf die Akkulaufzeit. Das Phänomen kennt man von der Batterie im Auto beispielsweise. Was da hilft ist zum Beispiel die Kamera unter der (warmen) Jacke zu tragen. Das hält vor allem den Akku warm. Sollte man sich dann doch mal nach Sibirien verirren, hilft es auch den Akku bei längeren Pausen mal raus zu nehmen und in die Hosentasche zu legen.
Aber die Kälte hat nicht nur Nachteile. So hat zum Beispiel jedes elektronische Bauteil einen wärmespezifischen Widerstand, welcher (fast) immer bei höheren Temperaturen zunimmt. Das heißt, durch die Kälte wird auch der Sensor besser gekühlt, wodurch der Widerstand sinkt und das Bildrauschen minimal geringer wird.
Vor allem aber sollte man sich auf die Bilder freuen, und die können im Winter auch wunderschön sein.
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